Erwartungen

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Eine Buddha-Statue mit einem
Zauberwürfel

»Was haben Sie gewählt?« »Die 42«, war die kleinlaute Antwort des Mannes von der Hotel-Rezeption. »Und was haben Sie gedacht, wo Sie landen?« herrschte er ihn durch die Leitung an. »Bei der 42?« stammelte der Mann. »Schon wieder eine Frage! Mensch, wie alt sind Sie?« »Ich werde 63«, die Stimme schien ihm endgültig zu versagen. »Oh, Sie sind einer von den Zuversichtlichen, wie schön! Was wollen Sie von mir?«

»Hier ist ein Paket für Sie abgegeben worden, sollen wir es Ihnen hochbringen?« »Es ist niemals so groß und oder schwer, dass Sie es mir mit wir bringen müssten!« »Ähm, nein, ich könnte es Ihnen selbst bringen.« »Sie könnten, wenn Sie wollten, doch das wissen Sie noch nicht - lassen Sie´s! Ich hole es mir selber ab!«, brüllte er und legte seelenruhig, fast zärtlich den Hörer zurück in seine Station.

Ungefähr 168 Meter, 84 Zentimeter und 21 Millimeter entfernt tänzelten sie noch immer mit Wortbeiträgen weiteres Tun ab. Entgegen aller seiner positiven Prognosen war er ihr dabei nicht näher gekommen; nicht mal in Zentimetern. Er saß immer noch auf dem in der Blüte seines Rentendaseins stehenden Rattansessel, während sie sich auf dem abgewetztem Sofa mit jeder Bewegung neu in Szene setzte, woraufhin er jedes mal darauf spekulierte, dass das jetzt die ersehnte Aufforderung ist.

Sie hatte ihn eingeladen. Nach all den Vorgesprächen hätte er darauf gewettet, das die Rezeptoren seiner Fingerkuppen heute Informationen liefern werden, die ihn endlich mal wieder auf den Wolkenkratzer der Leidenschaft katapultieren würden. Doch all das intelligente Geschwurbel hatte bislang nicht gefruchtet. Er war fest davon überzeugt, damit ein wichtiges Auswahlkriterium der Frauen zu erfüllen und sie sanft in die Knie (oder sonst wohin) zu zwingen. Gib dich als humorvoller Kosmopolit und du bist für sie der Jäger der Neuzeit, war seine Devise.

›Frauen, die darauf nicht stehen, haben zumindest ein Gehirn mit der Figur eines an Magersucht erkrankten Modells‹, grollte es in ihm. ›So wie sie sich gestern ausstaffiert hatte, war ich mir sicher, dass ihre Wohnung viel moderner, perfekter eingerichtet war. Aber schon die Adresse hätte mich stutzig machen sollen.‹

›Gestern hatte er einen ganz anderen Eindruck gemacht - aufgeschlossen, vielseitig interessiert. Doch jetzt faselt er nur so´n wirres Zeugs. Die Zweiundvierzig verberge ein Geheimnis oder ein Schlüssel dazu, völlig ideotisch! Scheiße, der Typ ist durchgeknallt! Einen Bollywood-Film mit dem anzugucken kann ich mir wohl schenken. Schade, ich hatte gehofft, endlich einen Gleichgesinnten gefunden zu haben‹, grübelte sie.

Durch die Irritation wurde sein Kopf leicht geschüttelt. Er hatte schon vorher gespeichert, dass das Paket gebracht wird. ›Die Menschen würden sagen, du hast damit gerechnet‹, meldete der vorlaute Prozessor, der übereifrig einen automatischen Sprach-Abgleich vorgenommen hatte.

Der Zentralrechner war damit beschäftigt, mehr Informationen zum Thema Humor zu ermitteln. Gerade stand zur Klärung an: Braucht Humor einen Sinn? Die zu beantwortende Unterfrage war dabei, einen schweren Systemfehler zu verursachen: Was versprechen sich Menschen von diesen Blog-Beiträgen über die Zweiundvierzig?

[Bild: Ich gehe davon aus, er hätte es gekonnt]