Bildnis eines Unsichtbaren

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 2 Minuten

Ein Bilderrahmen vor zwei Kerzenständer, in dem Rahmen fehlt das
Bild.

Starke Überschrift. Hättet Ihr mir nicht zugetraut - stimmt´s? Ich mir auch nicht. Das ist der Titel eines Buches von Hans Pleschinski.

»Immer wollte ich zugunsten eines reichen Lebens erzählen, erzähle aber vom Tod. Man sollte dieses Buch beiseite legen. Es paßt nicht in die Zeit. Das Heitere darin scheint flüchtiger zu sein als das Traurige. Aber vielleicht irre ich mich.«, schreibt Hans Pleschinski auf Seite 168. Ich habe das Buch nicht beiseite gelegt. Ich habe es gern gelesen.

Zwei “Achsen”, verbunden durch die Liebe, werden zu einem “Gefährt” durch ein gemeinsames Leben, 23 Jahre lang. Die Achsen: Hans Pleschinski, der Autor, und sein Freund, Volker Kinnius. Ein Leben prall gefüllt mit Liebe, Kreativität, Kunst, Literatur und Musik. Doch schon früh schleicht sich ein schwarzer Schleier in ihr Leben, in das ihrer Freunde - die Schleppe vom Tod, Aids. Wissen, Angst, hoffen, verdrängen, weiterleben, trotzig, stark, gerne…

Hans Pleschinski wechselt in seinen Erzählungen immer wieder zwischen seinem Leben, das seines Freundes, das er teilweise aus seinen Tagebüchern recherchiert hat, ihrem gemeinsamen Leben und den Dialogen mit dem Unsichtbaren, seinem verstorbenen Freund. Fast nebenbei verwebt er auch die politischen Zeitgeschehnisse in die Geschichten. Das ich dabei nie den Faden verloren habe zeigt für mich, wie kunstvoll dem Autor die Szenenwechsel gelungen sind.

Ja, Hans Pleschinski irrt. Ja, das Traurige ist in dem Buch oft gegenwärtig. Nein, das Heitere darin ist nicht flüchtiger. Das Traurige, wie das Heitere gehören zum Leben. Auch zu dem intensiven, faszinierenden Leben der beiden Hauptdarsteller in diesem authentischen Roman.

»Aufmerksamkeit ist das Gebet der Seele.« [1]

Mehr Informationen über das Buch “Bildnis eines Unsichtbaren” bei:

[1] Öfters zitierter Satz in dem Roman.