Abschied nehmen

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Ahorn

fällt manchmal schwer. Dann ist es schön, Trost zu finden. Wenn es mir mal nicht gut geht, ist mein Freund Epiktet immer an meiner Seite. Vor einiger Zeit sagte er mal:

Bei allem, was dir Freude macht, was dir nützlich ist oder was du gern hast, denke daran, dir immer wieder zu sagen, was es eigentlich ist.

Epiktet, diesmal geht es um meine Laufschuhe.

Fang bei den unbedeutendsten Dingen an.

Unbedeutend? Das sind tollte Schuhe! Was glaubst du, wie viele Kilometer ich mit denen gelaufen bin? Als die Dämpfung nachgelassen hat, habe ich sie über Jahre hinweg als Gartenschuhe genutzt.

Wenn du zum Beispiel an einem Topf hängst, dann sage dir: «Es ist ein einfacher Topf, an dem ich hänge.» Dann wirst du dich nämlich nicht aufregen, wenn er zerbricht.

Topf? Nein Epiktet [1], hier geht´s um meine Laufschuhe! Sie sind auch nicht zerbrochen, sie sind auseinander gefallen. Was haben die mir für tolle Dienste geleistet. Die waren ihr Geld allemal wert. Und sie sind mir irgendwie ans Herz gewachsen. Die kann ich doch nicht einfach in den Müll schmeißen!

Wenn du dein Kind oder deine Frau küßt, dann sage dir: «Es ist ein Mensch, den du küßt.» Dann wirst du deine Fassung nicht verlieren, wenn er stirbt.

Ach, hätte ich die Schuhe küssen sollen? Fehlt nur noch, dass du mir erklärst, Küssen erhöht das Haltbarkeitsdatum.

Ich glaube, ich stelle die Schuhe erstmal wieder ins Regal. Ich finde, die haben einen Ehrenplatz verdient. Meinst du nicht auch?

Quellen:

[1] Epiktet, Handbüchlein der Moral

Reclam-Verlag

[1] Siehe auch: “Epiktet - Das Handbuch der Moral” im Internetangebot der Universität-Rostock.

Laufschuhe mit einigen
Gebrauchsspuren[ Aktualisiert am 6. Mai 2008 ]

Hier ein jüngeres Foto von meinen Freunden an ihrem Arbeitsplatz. Vielleicht kannst du jetzt nachvollziehen, warum mir der Abschied so schwer fällt.