Kreisverkehr

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Ein roter Kreis mit Pfeilen; in der Mitte ein rotes
Kreuz

Ich bin jetzt in einem Alter, in dem man reifer und wissender ist. Reifer? Warum denke ich dabei an überreife Birnen? Lassen wir das.

Wissender? Klar, wenn ich nur an die vielen Krankheits-Geschichten denke. So mancher Medizinstudent könnte noch was von mir lernen. Mit den Ärzten rede ich auf Augenhöhe. Ist nicht selten, dass sie meine Diagnose bestätigen. Ich kenne mich aus.

Wir halten fest: Mit zunehmenden Alter wächst die Begeisterung für Geschichten über Krankheiten. Ich hätte da auch gleich eine; sie heißt:

Kreisverkehr

Vor einigen Monaten hatte sich bei mir eine Operationsnarbe auf einer Teilstrecke von drei Zentimetern eigenartig verdickt. Weil das nach meiner Fach-Kenntnis gar nicht gut aussah und zudem lästig schmerzte, habe ich meinen Haus-Arzt aufgesucht.

Der meinte, das solle sich sicherheitshalber mal ein Chirurg ansehen. Mit der Überweisung in der Hand wanderte ich zu einem solchen. Er erklärte mir, dass wird vermutlich auf eine Unverträglichkeit des Verbindungsmaterials zurückzuführen sein. Ich übersetze das mal so: Die hätten besser Gewebekleber statt Fliesenkleber benutzen sollen.

Nun, der Chirurg drückte mir eine Überweisung in die Hand und schickte mich in die Klinik. In die, die mir einige Monate zuvor den Bauch aufgemeißelt und nach getaner Arbeit wieder zusammengetackert hat. Der Chirurg berief sich da wohl auf das Verursacherprinzip. Verstehe, dachte ich und reiste ein paar Tage später zur 35 Kilometer entfernt liegenden Klinik.

Nach zweieinhalb Stunden Wartezeit bei der Fach-Ambulanz ging es los. Der untersuchende Arzt erklärte mir, das sei nicht so dramatisch. Die Narbe müsse aber gut versorgt werden, wenn sie aufplatzt. Wenn es soweit ist, kann ich wiederkommen, gab er mir auf den Weg.

Es kam wie es kommen musste, an dem Wochenende darauf platze das Narben-Teilstück auf. Von den Ärzten war niemand zu erreichen. Wie gesagt, ich bin Laien-Mediziner im drölften Semester; ich habe mich selbst verarztet.

Eine Woche später bekam ich einen Brief von der Klinik. Darin wurde ich aufgefordert, eine Überweisung vom Fach-Arzt vorzulegen. Andernfalls dürfte ich die Untersuchung selbst bezahlen. Auf meine telefonische Anfrage sagte man mir, dass die vorgelegte Überweisung des Chirurgen nicht ausreichen würde.

Also rief ich in der Praxis eines entsprechenden Fach-Arztes an und schilderte der Sekretärin die Geschichte. Die war nett und sagte, sie würde der Klinik die Überweisung zuschicken.

Gerade hatte ich mich entspannt, da bekam ich einen Anruf von besagter Sekretärin des Fach-Arztes. Sie bat mich, für die Überweisung an die Klinik ihr eine Überweisung vom Haus-Arzt zu bringen.

Nun war mir wirklich schwindelig.