Einfache Sprache

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Einfache
Sprache

Sonntag, 7. Oktober 2007

Bei mir ist das so: Wenn ich etwas sage oder schreibe, möchte ich, dass meine Worte verstanden werden. Ich denke, das ist der eigentliche Sinn und Zweck der Sprache.

Häufig aber habe ich den Eindruck, dass einige Menschen das anders sehen.

Warum werden sonst so oft die Sätze vollgepackt mit Fremdwörtern oder englischen Wörtern? Dafür gibt es sicherlich auch Gründe. Damit kann ich zeigen, dass ich:

  • viele Fremdwörter kenne,
  • eine andere Sprache beherrsche,
  • modern und weltoffen bin,
  • “cool” bin.

Gut, das sind Gründe. Es mag auch sein, dass ich damit vom Hörer oder Leser die gewünschte Anerkennung bekomme; so wie: Hui, ist der aber schlau.

Aber - führt mich das zum Ziel? Warum spreche oder schreibe ich? Zum Beispiel, weil ich:

  • über etwas informieren möchte,
  • etwas erklären möchte,
  • überzeugen möchte.

Wird mir das gelingen, wenn ich viele Fremdwörter oder englische Worte benutze?

Klar, das ein oder andere Fremdwort oder englische Wort ist mir schon bekannt. Aber kann ich davon ausgehen, dass diese Worte dann auch allen anderen bekannt sind?

Ich selbst finde es oft lästig, wenn ich erst nachfragen oder nachlesen muss, welche Bedeutung ein bestimmtes Fremdwort oder englisches Wort hat. Also frage ich nicht nach und schaue auch nicht ins Buch. Die Folge, das Fremdwort bleibt mir fremd.

Sicher, Fachleute benutzen viele Fremdwörter oder Fachbegriffe. Wenn sich Fachleute miteinander unterhalten, ist dagegen nicht viel einzuwenden. Aber - auch als Fachmann kann ich mir überlegen, ob sich für ein Fachbegriff nicht auch ein einfaches, deutsches Wort finden lässt.

Was aber passiert, wenn ein Fachmann sich mit jemanden unterhält, der nicht im Thema ist? Jeder von uns wird mal in der einen oder anderen Rolle sein.

Beispiele:

Schreibe ich meinen Freunden: “An diesen Seiten muss ich noch das CSS anpassen”, werde ich von einigen sofort verstanden. Aber ich habe auch viele Freunde, denen die Abkürzung nichts sagt. Auch die englischen Worte Cascading Style Sheets werden ihnen nicht weiter helfen. Schreibe ich aber meinen Freunden: “Das Aussehen der Seiten muss ich noch ändern”, werde ich von allen verstanden.

Die Wörter “support” oder “help desk” haben es mir auch angetan. Wenn 99 % meiner Kunden in Deutschland wohnen, tut es doch das Wort “Kundendienst”. Dann verstehen mich auch 99 % meiner Kunden. Hier werden Sie geholfen…

Ein Pendelbus ist zu gewöhnlich? Werden damit mehr reisen, wenn ich ihn Shuttlebus nenne?

Was ist mit englischen Worten wie: E-Mail, Internet und Browser? Gut, eine E-Mail ist eine elektronische Post. Was heißt Internet, was ist ein Browser? Mir fällt es nicht leicht, die Begriffe in einfachen Worten zu erklären. Darf ich dennoch dahergehen und mutig erklären, dass sind Worte, die jeder kennen muss? Ich kenne viele Menschen, die höchstens eine im Nebel liegende Ahnung haben, wie die Worte zu erklären sind.

Neulich habe ich einen Brief zum Thema Stadt-Marketing gelesen. Marketing - das ist auch so ein Wort. Zugegeben, Stadt-Vermarktung klingt komisch. Aber hier hat sich ein englisches Wort schon so tief in meinen Wortschatz eingeschlichen, dass das deutsche Wort für mich fremd klingt. Zurück zum Brief. In dem Anreißer-Text war von: “pimp my town” zu lesen. Das soll wohl soviel wie “Motze meine Stadt auf” heißen. Nun ja…

An anderer Stelle habe ich in dem Brief die Worte “shared space” gefunden. Es ging eine gemeinsam genutzte Fläche. Genauer um eine Straße, die von Autos, Fahrrädern und Fußgängern gemeinsam genutzt wird.

Es gibt eine Menge von englischen Worten, die auch ganz einfach durch deutsche ersetzt werden könnten: Newsletter, Event, Public Viewing, Polit Talk…

Unter dem Strich:

Um es ganz klar zu sagen: Es geht mir nicht darum, andere Sprachen zu verteufeln. Ich möchte:

  • ohne Hindernisse verstehen und verstanden werden und
  • das die deutsche Sprache nicht unnötig durch Fremdworte oder englische Worte verdrängt wird.

Es kommt immer darauf an, mit wem ich spreche, wem ich schreibe. Unterhalte ich mich mit Menschen die die deutsche Sprache nicht beherrschen, werde ich versuchen, deren Sprache zu benutzen. (Das war jetzt sehr vollmundig von mir. Ich wünschte, ich würde mehrere Sprachen beherrschen. Aber mir macht schon Englisch zu schaffen.)

Wenn ich verstanden werden will, muss ich darauf achten, welche Worte ich benutze. Auch aus Respekt und Achtung gegenüber meinen Mitmenschen.

Tipp:

Das Internetangebot vom Verein Deutscher Sprache e.V. und dort der Anglizismen-Index.

Aktuelle Ergänzung:

Sonntag, 14. Oktober 2007

Nachdem ich diesen Text vor einer Woche geschrieben habe, habe ich ihn einen guten Freund zu lesen gegeben. Er fragte mich: Wenn Dir Begriffe wie CSS, Browser und ‘public space’ unangebracht erscheinen, wie sieht es dann erst mit dem Begriff ‘soheit’ aus? Ich meine, Dein Appell an ‘einfache Sprache’ erscheint in einem Weblog mit einem Titel, dessen Bedeutung … nun ja, wohl nicht jedem im Sinne einer einfachen Sprache geläufig ist. Da hat er wohl Recht. Also habe ich den Text in die Schublade geschoben.

Aber das Thema “einfache Sprache” hat es mir angetan. Was kann ich tun, damit ich nicht ‘Wasser’ predige und ‘Wein’ trinke?

Zwischenzeitlich habe ich einen kleinen Text dazu geschrieben, warum dieses Weblog den Titel ‘Soheit’ trägt. Das ist ein Anfang. Und weiter?

Ich kann mich selbst verpflichten. Das heißt: Immer wenn ich spreche oder schreibe, will ich versuchen eine einfache Sprache zu benutzen.

Und: Wer entdeckt, dass ich in diesem Blog

  • Fremdwörter oder
  • Worte aus einer anderen Sprache verwendet habe, die ich zuvor nicht erklärt habe, kann mir das als Kommentar zu diesem Text schreiben.
  • Ein Kommentar ist auch fällig, wenn ich mich mal wieder unverständlich ausgedrückt habe.
  • Das gilt ab jetzt.

Ich finde, eine einfache Sprache trägt sehr viel zu einem besseren ‘Miteinander’ bei.